Opernballdemo
und Hitler Aufmärsche und Haider Rücktritte

Der scheinbar wiederauferstandene Führer entpuppte sich als der Schauspieler Hubsi Kramar - Er und sein "Fahrer" wurden wegen "Wiederbetätigung" angezeigt Wien - In der Oper hat es nach Auskunft des Generalinspektors der Wiener Sicherheitswache, Franz Schnabl, zwei Festnahmen gegeben. Ein als Adolf Hitler verkleideter Mann, der Schauspieler und Regisseur Hubsi Kramar, war in einem weißen Rolls Royce mit Wiener Kennzeichen vorgefahren, aus dem Wagen gesprungen und ins Gebäude gestürzt. Er wurde ebenso wie der Fahrer des Wagens in der Oper festgenommen, beide Männer müssen sich wegen "Wiederbetätigung" verantworten. Der Vorfall, er soll von den Organisatoren des abgesagten "Ball des schlechten Geschmacks" in Szene gesetzt worden sein, spielte sich unmittelbar vor der Ankunft von Bundespräsident Thomas Klestil ab. (APA)

Bildnachweis: El Pais und Der Standard

3.3.2000 00:46 MEZ

Wien - Ungewöhnlich nahe lagen Donnerstag bei der Opernball-Demo die Schätzungen von Polizei und Organisatoren beieinander. Die Exekutive kam gegen 21.00 Uhr auf etwa 10.000 Teilnehmer, Kurt Wendt vom Aktionskommitee gegen Schwarz-Blau auf 13.000 bis 15.000. Einig dürfte man sich auch darin sein, dass es die bisher bunteste und lauteste Protestveranstaltung gegen den Ball der Bälle war. Laut Franz Schnabl, Generalinspektor der Sicherheitswache, verlief die Veranstaltung zudem friedlich, er wußte vorerst von keinen Vorkommnissen zu berichten. "Jeda is a Minderheit", stand in großen Lettern projiziert auf einer Außenwand der Hofburg, als sich Donnerstag Abend die ersten Menschen am Ballhausplatz sammelten, um anlässlich des Opernballs gegen die neue Regierung zu demonstrieren. Die Aktivisten boten einen eher ungewohnten Anblick. Zwar schwenkten sie auch Transparente und skandierten lautstark Parolen gegen die schwarz-blaue Regierung, mitunter erinnerte die Szenerie aber an einen Rosenmontagsumzug. In dem Treiben waren Prinzessinnen, Taucher, Mickey Mäuse, unheimliche Monster, grüne Gesichter, Clowns, Teufel und ähnliche Figuren auszumachen. Absoluter Blickfang war ein "trojanische Esel". Ein Mann, der sich als "Einzelaktivist" bezeichnete, hatte das rund zwei Meter hohe Tier eigenhändig aus Holz gefertigt. In ihm finden angeblich bis zu vier Personen Platz. Fleißige Helfer zogen das mit einem überdimensionalen schwarz-blauen Mascherl geschmückte Werkstück durch die Innenstadt. Die geplante Route ging über den Michaelerplatz über Kohlmarkt, Graben und Wollzeile und dann über den Ring bis zum Schwarzenbergplatz. Die Exekutive bemühte sich, die Straßen möglichst lange frei befahrbar zu halten. Kurz vor 20.00 Uhr begann man, das Sperrgebiet rund um die Oper von "Zivilisten" zu räumen. Ausnahmen gab es lediglich für Besucher des gesellschaftlichen Events und für Anrainer. Wiens Polizeipräsident Peter Stiedl besuchte "seine" Beamten und ließ sich über die aktuellen Ereignisse informieren. Ballbesucher unbehelligt Rund eine halbe Stunde vor der offiziellen Eröffnung des Wiener Opernballes um 22.00 Uhr hatte sich der Tross der Demonstranten im Bereich der Kärntner Straße gesammelt. Das Haus am Ring im Sichtweite, skandierten die Protestteilnehmer weiter "Widerstands"-Parolen gegen Schwarz- Blau. Knallkörper und eine große Anzahl Trommler sorgten für akustische Untermalung, Leuchtraketen zischten in Richtung Sangeshaus. Die Polizei setzte ab diesem Zeitpunkt Schutzhelme auf und hielt die Schilde parat, die Proteste verliefen aber weitestgehend friedlich. In der Hauptsache flogen bloß Papierschnitzel und Konfetti. Am Schwarzenbergplatz - in beträchtlicher Distanz zu den weiträumigen Absperrungen, die an der Akademiestraße errichtet wurden - waren auch einige Eierwerfer tätig geworden. Opernballbesucher, die sich zu Fuß zu dem traditionsreichen gesellschaftlichen Ereignis aufgemacht hatten, mussten sich ihren Weg durch die Absperrungen der Exekutive bahnen, blieben aber von den Demonstranten völlig unbehelligt. Die Zahl der Teilnehmer, die sich in der Kärntner Straße beiderseits des Opernhauses, allerdings außerhalb der Sperrzone, eingefunden hatten, war mittlerweile nach Angaben von Polizeisprecherin Doris Edelbacher auf 12.000 bis 15.000 angewachsen. Problemzone Albertina Gespanntere Stimmung herrschte auf der gegenüber liegenden Seite der Oper, in Nähe der Albertina, wo sich der so genannte "Schwarze Block" der Demonstranten versammelt hatte. Holzstücke und Flüssigkeiten flogen; der Polizei gelang es, ein Durchbrechen des "Schwarzen Blockes" zur Oper zu verhindern. 'Rap gegen Schwarz-Blau' am Schwarzenbergplatz Zur Hip-Hop-Bühne am Schwarzenbergplatz bewegten sich nach der Opernball-Demo Donnerstag Nacht einige der Demonstranten, um zum Rap gegen Schwarz-Blau zu tanzen. Angekündigt waren verschiedene Gruppen aus der Szene: "Wir möchten alle Hände sehen, die gegen Schwarz-Blau wählen. Und dabei frischen Wind erzeugen, bis die Rechten wieder gehen", hieß es etwa zum Beat. Rund um die Bühne stellten Demonstranten Kerzen auf die gesperrte Straße. Aktionismus Für kurzfristige Aufregung sorgte ein aktionistischer Protest-Auftritt des Künstlers Hubsi Kramar. Er war als Adolf Hitler verkleidet in einem weißen Rolls Royce mit Wiener Kennzeichen vorgefahren, aus dem Wagen gesprungen und ins Gebäude gestürzt. Er wurde ebenso wie sein Fahrer in der Oper festgenommen. "Lange Wandernacht" Der Demonstrationszug war nach Eröffnung des Ballspektakels um 23.00 Uhr dabei, sich aufzuteilen. Ein Teil, 1.000 bis 3.000 Menschen, machten sich auf in Richtung Ballhausplatz/Heldenplatz. Wiens Polizeipräsident Peter Stiedl rechnete mit einer "langen Wandernacht".

www.derstandard.at

5.3.2000 20:11 MEZ
Wiener beschwerten sich über "Hitler"

-Mann ging im Stechschritt vor dem Parlament auf und ab. Niederländer wollen angeblich einen Sketch drehen. Wien - Ein Mann von eher "seltsamem Äußeren" - gekleidet in einen uniformähnlichen Trachtenanzug, hergerichtet wie Hitler - und begleitet von einem Kamerateam hat am Sonntag in Wien für Aufsehen gesorgt. Passanten verständigten sogar mehrfach die Polizei, unter anderem, als der Mann im Stechschritt vor dem Parlament auf- und abschritt. Wie die Polizei schließlich ermittelte, handelt es sich bei dem Mann um einen Niederländer, der mit seinem Kamerateam eigenen Aussagen zufolge einen Sketch dreht. Dabei gehe es um die Reaktion der Bevölkerung auf sein Auftreten. (APA)

Zum Haider Rücktritt

wie wirkungsvoll die ironische verneinung sein kann, demonstriert der guardian in einem kommentar zu haiders rücktritt: "Jörg Haider's decision to retire to Carinthia is very welcome. After 24 gruelling days as non-chancellor, Austria's most notorious non-Nazi has certainly earned the chance to put his feet up (as opposed to his arms). Mr Haider is now also not the leader of the Freedom party, a non-extremist political group which is not in favour of forcibly repatriating immigrants."

 
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