-Zeitungsartikel-

"In Äthiopien sterben den Fotografen ausgehungerte Kinder vor den Linsen weg,
während in Miami Tausende auf die Strassen gehen, schreien, weinen, sich
prügeln, weil ein Junge fortan keinen Big Mac mehr bekommt.
Es ist in der Tat beschämend für die Welt, was gestern auf CNN live
übertragen wurde. Aber nicht so, wie es jener Exilkubaner am frühen
Samstagmorgen Lokalzeit dem News-Reporter in Miami gesagt hat.
Elián González, der sechsjährige Flüchtling aus Kuba, lebt. Bald zwar nicht
mehr in den USA, wo er seit Monaten mit Geschenken überhäuft wurde, sondern
in Havanna. Und dort gibts vorläufig, sorry, halt weder Softguns noch
filigrane Videospiele.
Der Irrsinn kennt keine Grenzen, die Verhältnisse sind absurd.
Einem Todeskandidaten in Texas wird vor der Hinrichtung die letzte Zigarette
verweigert, weil diese die Gesundheit gefährdet. Einem anderen wird aus
demselben Grund Rotwein vorenthalten. Ein Stummel-Fetischist lässt sich in
Mexiko, wie «Facts» diese Woche berichtet, ein gesundes Bein amputieren,
während in Angola Tausende Minenopfer auf Prothesen warten.
Die Welt dreht durch. Und wir mit ihr. Im Kosovo interviewen wir
vergewaltigte Frauen. Das Handy vibriert: SMS: «House Party im Kaufleuten mit
DJ Sowieso.» Selbiges während einer Reportage in Äthiopien. SMS: «Coccobello,
wo stecksch? Partytime?»
Fortschritt? Rückschritt? Die vernetzte Welt gibt vor, überall und immer
dabei zu sein. Doch wo? Und wie? Vor allem aber: wozu?
Darf Penungu eine Sonnenmütze verbrennen? Ein Religionsstreit entbrennt unter
den Robinsons von TV3, während Big Brother Zlatko einem Container entsteigt
und noch vor Ostern zum neuen Messias gekürt wird.
Nicht die Medien allein sind schuld. Bestimmen tun Sie, was wichtig ist und
was nicht. Sie können diese Seite jetzt auch rauchen. Aber entscheiden Sie
selber.
Der mediale Irrsinn gehört Ihnen. Ein Menschenrecht!

(p-tv)


 

 
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