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-Warum
ich nicht heirate-
Neue Daten, altes Lied: Es wird weniger geheiratet und mehr geschieden.
Kein Wunder. Wenn frau der Ehe noch was abgewinnt, muss sie ja rettungslos
romantisch sein, meint <i>Elisabeth Pechmann</I>.
Der schönste Tag im Leben einer Frau. Moment. Das war dieses hochinteressante
Exklusivinterview mit . . . Oder der atemberaubende Tauchgang in . . .
Nein, vielleicht doch die persönliche Erkenntnis, dass . . . Wie
bitte? Hochzeit? Geschenkt. Wenn ich ein paar Stunden lang Prinzessin
spielen will, gehe ich auf Bälle. Da ist außerdem die Farbauswahl
fürs Outfit größer. Und das hat nichts mit einem Mangel
an Männern zu tun, deren Verstand ebenso beeindruckt wie ihre emotionale
Intelligenz, ihr Gefühl, ihr Stil, ihre Sinnlichkeit, ihr Witz und
ihre Figur. Solche Typen sind rar, aber real. Ich frage mich lediglich,
warum ich einen davon nicht nur lieben, begehren und achten, sondern auch
noch heiraten sollte.
Die Statistik stützt die Skepsis: Von den Siebzigerjahren weg gerechnet,
sank die Heiratsneigung der ÖsterreicherInnen um rund zwanzig Prozentpunkte.
Mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit landete man vor drei Jahrzehnten
im Hafen der Ehe, heute sind es 71 (Männer) beziehungsweise 75 (Frauen)
Prozent. Über den kleinen, feinen Geschlechterunterschied - sind
die Herren unwilliger oder schwerer vermittelbar? - darf spekuliert werden,
auch darüber, warum gerade die Kärntnerinnen am ehesten ledig
bleiben. Fest steht, dass das Modell Ehe stetig Staub ansetzt.
Vor allem in der Version mit dem Ewigkeitsanspruch. Vier von zehn vor
Gott und/oder Beamten besiegelte Paarungen enden vor dem Scheidungsrichter,
im Schnitt ist der Ofen nach 10,8 Jahren aus. Wienerinnen sollten überhaupt
eher Roulette spielen als heiraten: Die Chancen, dass es schwarz kommt,
obwohl man auf die Farbe der Liebe gesetzt hat, sind bei 50 Prozent Scheidungsrate
ziemlich vergleichbar. Allerdings kann man im Casino die Verluste besser
kalkulieren.
Stimmt, es gibt Eheverträge. Aber erstens lassen sich manche materiellen
Rechtsfolgen selbst durch Brockhaus-dicke Vereinbarungen nicht ausschließen,
zweitens zieht mir das Kleingedruckte bereits beim Buchen einer Wochenendreise
den Nerv, geschweige denn beim Gründen einer Lebensgemeinschaft.
Und drittens ist die ganze Vertragsmeierei nur ein Indiz dafür, wie
sehr sich der ursprüngliche Inhalt der Ehe - er verdient, sie bedient
- überlebt hat.
Zum Glück. Denn vielen lieben Dank, ich möchte nicht versorgt
werden. Ich möchte selbst arbeiten. Engagiert. Erfolgreich. Um gutes,
unabhängig machendes Geld. Statusgewinn im Standesamt? Bewahre. Es
reicht schon, wie manche das Mündchen spitzen, wenn sie "Frau
Chefredakteurin" zu mir sagen. Ich will nicht auch noch erleben,
wie ihnen ein "Frau Direktor" ganz locker über die Lippen
kommt, nur weil ich grad einen Herrn Direktor geheiratet habe.
Und wozu ein neues Label?
Seinen Namen tragen? Merci bien. Ich habe meinen eigenen dreieinhalb Jahrzehnte
lang mit Persönlichkeit angefüllt. Wozu ein neues Label samt
mühsamem Relaunch, vor allem beruflich? Zugegeben: Das mit dem Namen
kann man sich inzwischen richten. Aber letztlich ist das nur eine weitere
Paragraphenkrücke für ein anachronistisches Konstrukt. Und sollte
ich tatsächlich Kinder kriegen, was mangels tragfähiger Oma-Netzwerke
sowie angesichts der derzeit propagierten "Wahlfreiheit" zwischen
etwas Kindergeld und keinen berufstauglichen Betreuungseinrichtungen reichlich
abenteuerlich wäre, so bin ich sicher: Es ist nicht die Familie auf
dem Papier, die sie brauchen.
Der Symbolik, ja, der gewinne ich zum Teil was ab. Von mir aus steckt
mir einen Ring an und schart alle Bekannten & Verwandten um mich,
auf dass die ganze Welt weiß: Mit dem Mann will ich wirklich. Das
kann ein schönes Fest werden. Für das ich allerdings lieber
gutes Catering vorbestellen würde als einen geistlichen oder staatlichen
Würdenträger. Ach, das Ritual. Dingdong, Halleluja, bis dass
der Tod euch scheidet. So wie man Gott immer wieder verkauft, dürfte
er mich eigentlich nicht nur dann stärken, leiten und schützen,
wenn ich einen Termin in einer seiner Filialen buche. Werden wohl eher
die Menschen sein, die auf den Zauber Wert legen.
Dass streng säkularisierte Gesellschaften zwar die kirchlichen Zeremonien
verwerfen, sie aber flugs durch anderes Brimborium ersetzen, spricht ebenfalls
dafür. Pragmatisch gesehen bedeutet das: Ab dem Moment, in dem das
(hoch-)amtliche Versprechen abgegeben ist, wird ernsthafter erwogen, einander
vielleicht doch nicht bei jeder Gelegenheit zu betrügen oder trostlos
auf der Intensivstation dämmern zu lassen. Pfui, Teufel.
Nur die kleine, weibische Spießerinnenseele in mir muckt auf. Ich
würde, das gebe ich offen zu, schon gerne einmal gefragt werden.
Vom Richtigen. Um "Ja" zu denken, aber "Nein" zu sagen.
Und hoffentlich rüberzubringen, warum ich trotzdem in guten wie in
schlechten Zeiten zusammen mit ihm runzlig werden möchte.
Elisabeth Pechmann, Chefredakteurin des Magazins "Alles Auto",
lebt in Wien.
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