Dr. J. Haider: Das hab ich nie gesagt!

P-TV ist überzeugt, daß dieses Interview ein Musterbeispiel ist, wie Dr. J.l Haider interviewed gehört. Sämtliche deutschen Moderatoren könnten sich hier ein Beispiel nehmen.

Jörg Haider - Das Falter Interview


FPÖ Jörg Haider hat behauptet, nie ein Interview mit dem "Falter" geführt zu haben. Hier ist der Gegenbeweis in Form einer Tonbandabschrift: Jörg Haider über den "Drogendealer Omofuma", sein Verhältnis zu Auschwitz und die Gemeinsamkeiten von Hitler, Churchill und Stalin.
FLORIAN KLENK und NINA WEISSENSTEINER führten das Interview für den
FALTER Text hier wie dort:

"Ein, äh, Dealer"

Am 23. September, nach einer FPÖ-Wahlveranstaltung, traf sich Jörg Haider im Meidlinger Café Rondo mit dem Falter zu einem Interview. Das Gespräch wurde auf zwei Tonbändern festgehalten. Die schriftliche Zusammenfassung sollte Haider noch einmal vorgelegt werden. Missverständnisse beim Kürzen und Redigieren sollten verhindert werden. Doch als Haiders Mediensprecher das Interview las, verweigerte er plötzlich die gesamte Autorisierung. Wir hätten in der schriftlichen Zusammenfassung "Fragestellungen nachgebessert" und "Dr. Haider Antworten in den Mund gelegt". In Zukunft sei der Falter für die FPÖ "kein Ansprechpartner mehr". Der Falter sah, obwohl das Gespräch auf Tonband protokolliert war, vorerst von einer Publizierung ab und druckte nur die Fragen. Die – rechtmäßig angefertigten – Tonbänder interessierten nun aber andere Journalisten und Politiker. Das Liberale Forum stellte einen Teil der Tonbandabschrift ins Internet und machte erste Gesprächsinhalte öffentlich. Vor allem Haiders Vergleich Hitlers mit Churchill und Stalin erregte internationale Medien und britische Politiker. Haiders Imagetour durch London wurde zum Skandalauftritt. Dann geschah das: Vorvergangene Woche behauptete der FPÖ-Chef im ORF, das Gespräch mit dem Falter sei "eine reine Erfindung: Das Interview gibt es nicht." Damit unterstellte er dem Falter, bewusst falsche Tatsachen zu behaupten. Haider wurde aufgefordert, diese Unterstellungen binnen einer Woche zu widerrufen. Das geschah nicht. Der Falter bringt deshalb als Gegenbeweis Teile der Abschrift des angeblich "frei erfundenen" Tonbandinterviews. Diesmal allerdings ohne stilistische Glättungen.

Falter: Wir haben Sie jetzt gerade ein bisschen beobachtet natürlich: Eine Frau hat zu Ihnen gemeint, es ist eine Sauerei, dass die ausländischen Frauen so viele Kinder gebären. Sie haben so ein bisserl genickt.

Haider: Bei mir da?

Vor fünf Minuten zirka. Vielleicht haben Sie es ja nicht gehört. Ist das eine Sauerei eigentlich?

Haider: Also zu mir hat kane was gsagt.

Wir sind gerade daneben gestanden, und sie hat gesagt: "Herr Haider, des is a Sauerei!"

Haider: Aber net zu mir ...

Is das a Sauerei?

Haider: Also das hätte ich schon gehört. Kinderkriegen ist an sich ka Sauerei, net?

Gibts die Gefahr, dass Ausländer fruchtbarer sind? Es hat eine Äußerung von Prinzhorn gegeben, dass es staatlicherseits gefördert wird, dass man eine Hormonbehandlung bekommt ...

Haider: Na, es gibt die Philosophie des amtierenden Bundeskanzlers, der von der Lendenschwäche der Österreicher gesprochen hat und daher also die Zuwanderungspolitik als notwendig ... (Dreht sich zu einem grüßenden Gast.) Hallo, seavas!

Gast: Tschuldigen S’, dass ich unterbrich, Herr Doktor, I mecht mi verabschieden.

Haider: Seavas!

Gast: Ich war hier zwar unerkannterweise, aber trotzdem: "Hinter Ihnen und mit Ihnen!"

Haider: Danke, baba! ... und es is a Faktum, dass die Ausländer natürlich mehr Kinder haben. Das wird auch ein manifestes Problem, dass, mit einer ungehemmten Zuwanderungspolitik sicherlich in der nächsten Generation dann die Mehrheitsverhältnisse in manchen Bezirken oder in manchen Wohnbereichen zugunsten der Ausländer sich verändern, und das ist eine Frage, ob das die Österreicher wollen.

Sind Sie mit dem Wort "Überfremdung", das in Kritik stand als alter nationalsozialistischer Ausdruck – auch Kriemhild Trattnig hat ihn verwendet –, sind Sie mit diesem Begriff glücklich?

Haider: Die Nationalsozialisten haben auch schon "Grüß Gott" und "Guten Morgen" gesagt! Also würde ich im Sinne der Political Correctness das Stummsein verordnen müssen. Es ist, glaub ich, klar, dass die FPÖ zum Ausdruck bringt, dass wir keine weitere Zuwanderung wollen, dass wir einen befristeten Zuwanderungsstopp propagieren. Das ist genau des, was, ich habs eh gesagt in meiner Rede, was die Franzosen schon zweimal gemacht haben: dass sie einen befristeten Einwanderungsstopp verordnet haben. Sogar unter dem sozialistischen Staatspräsidenten Mitterand war das selbstverständlich. Jetzt versteh ich nicht, warum in Österreich eine Aufregung sein soll darüber.

Im letzten Jahr war die De-facto-Zuwanderung in Österreich null. Der Zugang war bei 200 Ausländern. Ist Ihre Forderung nicht längst erfüllt?

Haider: Also mit der Statistik lässt sich alles beweisen. Die ganze Quotenregelung ist in Wirklichkeit ein aufgelegter Schwindel, weil ja aus der Quote in den letzten Jahren laufend Bevölkerungsgruppen der Zuwanderer herausgenommen worden sind. Es müsste die Quote in Wirklichkeit mal drei gerechnet werden, um auf ein tatsächliches Zuwanderungsvolumen jährlich zu kommen. Das würde also bedeuten, dass wir etwa bei 35- bis 50.000 Nettozuwanderern sind. Weil da sind die Schüler, die Studenten, die Kinder von Österreichern, die mit Ausländern verheiratet sind.

Sind das (Kinder von Österreichern, Anm.) auch Zuwanderer?

Haider: Die sind alle, wenn sie von woanders kommen, Zuwanderer.

Ein Kind von einem Österreicher hat die österreichische Staatsbürgerschaft.

Haider: Sie sind nicht in der Quote, nicht? Normalerweise waren sie ja alle in der Quote drinnen. Man hat dann Ausnahmeregelungen gemacht, daher kann man nicht immer sagen, es gibt eh eigentlich keine Zuwanderung mehr.

Ein Kind von einem Österreicher ist österreichischer Staatsbürger!

Haider: Aber man kann so viel aus der Quote nehmen, bis die Quote null ist, nicht? Dann lass ich nur mehr drinnen die Sonderquote für Künstler und Journalisten, die gibts nämlich auch, nicht? Da wirds dann nicht sehr ersprießlich sein.

Beginn Ausschnitt I: wav

Falter: (...) Zwei Ihrer Töchter studieren im Ausland, in sehr multikulturellen Städten, Paris und London, was wäre, wenn eine der Töchter heimkäme und sagt: "Ich hab mich verliebt, ich möchte heiraten und möchte meinen Mann nach Kärnten holen und dort leben mit ihm." Wie würden Sie umgehen damit?

Haider: Das wäre ihre persönliche Entscheidung.

Es wäre ihre persönliche Entscheidung, aber es gibt eine Nullquote in Kärnten!

Haider: Na in Kärnten gibts nit a Nullquote, nur Nullquote für die normale Zuwanderung. Sie (meine Tochter, Anm.) wäre ein klassischer Fall, der aus der Quote ist. Weil die Eheschließung zwischen Ausländern und Österreichern auch zur Zuwanderungsberechtigung führt.

Die Eheschließung! Aber wenn sie nur mit ihm zusammenleben will?

Haider: Wenn er auf Urlaub kommt oder gemeinsam studiert, ist das sowieso heute kein Problem, auch in Österreich nicht.

Er möchte aber da leben! Er möchte im Bärental leben.

Haider: Ja, meine Tochter hat einen französischen Freund, der wird auch nit da leben, weil er eben nicht zuwandern kann. Das ist so.

Das gibt ein Problem mit Ihrer Tochter!

Haider: Nein, das gibt kein Problem, meine Tochter kann ja hie und da einmal nach Frankreich fahren.

Da kriegt sie aber dann dort Probleme: Sie haben gesagt, in Frankreich gibts die Nullzuwanderung! Dort hätte sie keine Chance!

Haider: Naa, es ist ja nicht real. Er (der Freund von Haiders Tochter, Anm.) arbeitet in Frankreich und studiert nebenbei, und alle EU-Bürger sind ja in Wirklichkeit nicht in der Quote. Also ist das alles eine Theorie.

Wenn es kein EU-Bürger wäre!

Haider: Na, wenns kein EU-Bürger ist, dann muss man sich an die Quote halten.

Die Frage zielt darauf hin: Macht man es sich mit der Nullquote zu einfach für gewisse Härtefälle, etwa bei der Familienzusammenführung? Es gibt ja gewisse persönliche Situationen, wo es notwendig ist, dass Ausländer ins Land kommen.

Haider: Ja, aber das soll man im Einzelfall entscheiden und nicht durch Generalisierung. Das ist ja das Problem. Wenn ich den Familiennachzug sozusagen als Anerkennungsgrund für die Zuwanderung hernehme, dann wird des also grenzenlos, das ist genau der Punkt (...).

(Das Gespräch kommt auf das Schweizer Saisonnier-Modell und den Kinderscheck. Der "Falter" kritisiert, dass der Kinderscheck nur inländischen Müttern zugute kommt, obwohl auch ausländische Mütter Steuern zahlen.)

Falter: (...) Aber dieser Kinderscheck wird auch mit Mitteln finanziert, für die auch Ausländer eingezahlt haben, widerspricht das nicht ein bisschen dem Gerechtigkeitssinn?

Haider: Erstens einmal gibt es diesen Nachweis ja nicht, dass die Ausländer mehr einzahlen, als was sie kriegen. Zweitens kriegen die Ausländer in einem erheblichen Ausmaß Sozialtransfers in Österreich, vor allem dort, wo sie Sozialhilfemaßnahmen in Anspruch nehmen, die über die Gemeinden und Länder laufen. Ich siach des heit als Landeshauptmann, was da in Wirklichkeit an Ausländer geht, und ich halte es nicht mehr für verantwortbar, zusätzliche Leistungen zu propagieren, weil einfach Leute, die mit einer Renten von ein paar Schilling leben müssen und dann sehen, dass die Sozialhilfeleistungen bei zehn-, zwölf-, fünfzehntausend Schilling liegen, für Leute, die kurz da sind, noch nie gearbeitet haben da bei uns, aber irgendwie versorgt werden müssen, da versteh ich den Unmut der Österreicher, die sagen: "Was ist das für ein Land? Auf mi schauens net, ich hab da aufgebaut, vierzig Jahre gearbeitet, leb mit sechstausend Schilling, und a Asylant, der da daherkommt mit seiner Familie, hat zwölf-, vierzehntausend Schilling im Monat zur Verfügung."

Welcher Asylant hat zwölf-, vierzehntausend Schilling?

Haider: Na, zuletzt in St. Pölten, der Fall, wo ana straffällig geworden ist und man festgestellt hat, dass er sogar nach der gerichtlichen Verurteilung diese Leistungen bekommen hat. 12.700 Schilling für sich, seine Frau und seine zwei Kinder! Das ist ja nicht wenig!

Beginn Ausschnitt II: wav

Falter: Weil Sie das Thema Asyl ansprechen: Sie haben vorher in der Rede, wo es um Asyl ging, gesagt, Marcus Omofuma war ein Drogendealer. Das ist mir neu. Woher haben Sie diese Information, und wenn es so wäre, würde dann die Behandlung, die ihm nachher passiert ist, in irgendeiner Weise mehr gerechtfertigt sein?

Haider: Habe ich ja nit gesagt. Ich hab gsagt, es ist ein tragischer Vorfall gewesen, aber man muss auch umgekehrt die Seite – und um des gehts mir –, dass man auch die Seite der Opfer einmal sieht. Dass man also nicht dauernd ... also Krokodilstränen für einen, äh, abgeschobenen Drogendealer, äh, hat, während man gleichzeitig, äh, gleichzeitig sozusagen, die Opfer, die er verursacht hat ...

Woher nehmen Sie das, dass Omofuma ein Drogendealer war?

Haider: Aus dem Innenministerium.

Verurteilt ist er nicht.

Haider: Ja, das konnte er nicht mehr, weil er schon abgeschoben war.

Ist das nicht hier ein Versuch, den Umstand, dass hier etwas Tragisches passiert ist, die Beamten waren überfordert, dass man sagt, man macht es sich einfach und sagt, er war ein Drogendealer und Mörder unserer Kinder ...

Haider: ... die Beamten waren nicht überfordert ...

Was immer im Flugzeug passiert ist, das wird das Gericht klären, aber machen Sie es sich nicht zu leicht zu sagen: "Er ist ein Drogendealer und Mörder unserer Kinder, daher gehörts ihm eigentlich."

Haider: Nein, das hab ich nit gsagt.

Aber es klingt so.

Haider: Nein, es klingt auch nicht so. Man muss sagen, es gibt eine Täterseite und eine Opferseite, und Österreich zeichnet sich dadurch aus, dass alle nur über die Täter jammern und philosophieren, und die Opfer werden ignoriert. Allein die Tatsache, wanns du heit schaust, wie viel für die Resozialisierung von Straftätern ausgegeben wird in unserem Land und wie viel für Opferschutz vorhanden ist. Die lächerlichen Millionen, die da im Budget eingesetzt sind, können nie ausreichen, die vielen Opfer auch wirklich ordentlich zu behandeln, vor allem beim Kinderschutz!

Aber das Opfer war doch in diesem Fall Omofuma, Opfer einer ... wahrscheinlich strafbaren ... Handlung.

Haider: Das wird man erst klären. Aber Tatsache ist, dass er offenbar aus dem ganzen Drogenhändlerbereich stammt.

Wer sagt das?

Haider: Dafür sprechen zumindest die Erhebungen des Innenministeriums, net?

Wer sagt das konkret? Generaldirektor Sika? Oder woher haben Sie das?

Haider: Können S’ den Sika ja fragen. Der solls Ihnen erzählen. Fragen Sie ihn halt! Sie können ja ein Interview mit ihm machen. Ich bin ja net der Innenminister!

(Das Gespräch kommt auf das Wahlkampfthema "Ausländerkinder in Schulen", schließlich wird das Thema Nationalsozialismus angesprochen.)

Beginn Ausschnitt III: wav

Falter: (...) Sie haben einmal gesagt, die abscheulichsten Figuren waren für Sie Churchill und Stalin. Warum haben Sie da eigentlich Hitler nicht erwähnt?

Haider: Hab ich auch einmal erwähnt in einem Interview, also ...

Würde er da dazu zählen?

Haider: Also, da fällt mir wirklich die Auswahl schwer, wenn ich die drei anschau, nicht? Was wollen S’ denn? Der Hitler und der Stalin sind die gleichen Figuren gewesen, in jedem Fall. Massenvernichtung durchgeführt. Der eine mit einer Methode, die mehr industrialisiert war, der andere mehr mit barbarischen, äh, Methoden, nicht?, in Russland.

Waren Sie schon einmal in Mauthausen oder Auschwitz?

Haider: Oft genug.

Finden Sie es gut, dass Schulklassen da verpflichtet werden hinzugehen?

Haider: Ich finde es dann gut, wenn es nicht ... sozusagen nicht der staatlich verordnete Zwang der politisch Korrekten ist, sondern wenn man es den Schülern freistellt zu entscheiden. Also, ich halte nichts davon, wenn die Pflicht für Schüler und Klassen besteht nur aus einer Klassensolidarität. Das muss schon die Entscheidungsfreiheit der Schüler a sein.

Was haben Sie für ein Gefühl gehabt, als Sie in Auschwitz waren? Was waren da Ihre Eindrücke?

Haider: Das ist eine der wunden Stellen in der ... in der ... wahrscheinlich in der deutschen Geschichte, damit belastet zu sein, dass es das fürchterlichste Verbrechen, das es im 20. Jahrhundert gegeben hat, sich auf diesem Boden ereignet hat.

Der deutschen Geschichte oder auch der österreichischen Geschichte?

Haider: Na, es war damals eine deutsche Geschichte, nicht?

Sie haben einmal gesagt, dass die Österreicher nicht dafür verantwortlich sind, was vor 1945, vor der Gründung dieses Österreich, passiert ist. Das war in einem "profil"-Interview.

Haider: Na, das hab ich nicht gesagt!

Wörtlich haben Sie gesagt: "Wir Österreicher sind nicht für den Geschichtsabschnitt verantwortlich, der vor der Wiedererstehung Österreichs war."

Haider: Da müssen Sie das ganze Interview nehmen! Ich hab das, in einer Aussendung ...

Haiders Medienreferent: (Drängt zum Aufbruch.) Wir müssen aufhören!

Haider: ... in einer Aussendung zur 50. Wiederkehr des Anschlusses 1938 gesagt, wo ich der erste österreichische Politiker war, der hier öffentlich festgehalten hat, dass wir uns nicht nur als Opfer sehen sollten, sondern auch selbstverständlich auch die Täterseite zu beachten haben. Dann ist zwei Jahre später der Herr Vranitzky nachgehupft und hat eine großartige Erklärung abgegeben, net, das ist ein Faktum, das können Sie sich ausheben, bitte bei den Recherchen gründlich zu sein.

Haiders Medienreferent: Ok, wir müssen jetzt, tut mir Leid, ... (...)

Ende Interview!

 
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