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-Sichrovsky:
Nichts Antisemitisches in der FPÖ-
(Leiter der Kultusgemeinde Muzikant als "unglaublich geldgierig und
nützlichen Idiot' bezeichnet
Laibach - "Ich habe Jörg Haider in zahlreichen Gesprächen
nahe gelegt, sich
des Rufs eines Rechtsextremisten zu entledigen", erklärte der
FPÖ-Europaabgeordnete Peter Sichrovsky in einem ganzseitigen Interview
der
Wochenendausgabe der größten slowenischen Tageszeitung "Delo".
Der Beitrag
trägt den Titel "Haiders Hofjude". Wie habe er sich als
deklarierter Jude
einer Partei anschließen können, die als antisemitisch gelte,
fragte ihn
"Delo"-Redakteur Boris Cibej. In der FPÖ sei "nichts
Antisemitisches", und
Haider sei weder Antisemit noch Nazi, antwortete Sichrovsky.
Auch Simon Wiesenthal habe erklärt, von der FPÖ könne man
vieles sagen, nur
nicht, dass sie antisemitisch sei, fügte Sichrovsky hinzu. Nach fünf
Jahren
Gesprächen mit FPÖ-Mitgliedern und -Funktionären habe er
festgestellt, dass
es sich hier um "eine ganz normale konservative Partei handelt".
In der FPÖ
sehe er "keinen organisierten Rechtsextremismus". Der Rechtsextremismus
spiele auf "zwei Karten": Rassismus ("im Sinne von: Wir
sind gegen Türken,
lieben aber englische Elektronikfachleute") und das "ungeklärte
Verhältnis"
zum Zweiten Weltkrieg. "Ich habe Haider gesagt, er müsse gegen
beides
Stellung beziehen, sonst wird er der Ausgestoßene der Weltpolitik
bleiben",
so Sichrovsky.
'Haider hat emotionalen Schock nicht erkannt'
Die FPÖ habe den Fehler gemacht, nicht rechtzeitig zu erkennen, welch
emotionaler Schock für die westliche Zivilisation der Holocaust bedeutet
habe, fügte der Europaparlamentarier hinzu. Österreich habe
seine
Vergangenheit "nie durchgefiltert", ist eine seiner Thesen.
"Auf irgendeine
Weise" hätten alle österreichischen Parteien die Nazi-Tradition
fortgesetzt. Mehr als die Hälfte jener, die nach dem Krieg führende
Positionen eingenommen haben, seien ehemalige Nazis gewesen. Er,
Sichrovsky, möchte "keinen Psychoanalytiker spielen", aber
er habe das
Gefühl, dass "die Leute Haider hassen, weil sie ihre Väter
und Großväter
hassen. Diese haben nämlich beim Holocaust mitgemacht oder standen
untätig
daneben und ihre Nachfolger wollen jetzt zeigen, dass sie es anders machen
würden."
Haider brauche man als "Faschisten", um die Rolle des Antifaschisten
spielen zu können, meint Sichrovsky. Würde Haider so wie der
französische
Nationalist Jean-Marie Le Pen die NS-Konzentrationslager als "unwichtiges
Detail des Zweiten Weltkriegs" bezeichnen, würde er sofort aus
der FPÖ
austreten.
'Muzikant der unglaublich geldgierige und nützliche Idiot'
Sehr abschätzig äußerte sich Sichrovsky über die
Führung der Israelitischen
Kultusgemeinde in Österreich. Ihre Mitglieder seien keine österreichischen,
sondern israelische Juden und hätten den österreichischen Juden
nie
geholfen, in diesem Staat wieder leben zu können. Den Leiter der
Wiener
jüdischen Gemeinde, Ariel Muzicant, bezeichnet er als "intelligenten
Idioten", der "unglaublich geldgierig" sei und bald "unendlich
reich" sein
werde. Er sei eine "tragische Figur", wie alle "Berufsjuden",
die tote
Verwandte ausnützten, um im Fernsehen erscheinen zu können.
Auf die Frage, ob Haiders Reichtum jüdischem Vermögen entspringe,
antwortete Sichrovsky, er habe darüber mit dem Kärntner Landeshauptmann
gesprochen und dieser habe ihm bestätigt, dass es sich ursprünglich
um
einen "unanständigen Ankauf dieser Sorte" gehandelt habe.
Später sei es
jedoch zum gerichtlichen Ausgleich gekommen. Wenn sich ehemalige Eigentümer
noch immer geschädigt fühlten, stünden ihnen ja alle Wege
eines
Rechtsstaates offen. "Aber wissen Sie, warum in den letzten Jahren
darüber
so wenig geschrieben worden ist?", fragte Sichrovsky den
"Delo"-Journalisten. "Weil die Familie der Frau des ehemaligen
Bundeskanzlers (Franz) Vranitzky auf ähnliche Weise zu riesigem Vermögen
gekommen ist."
'Kein offener Antisemitismus in Wien'
Auf die israelische Meinung angesprochen, das Leben der Juden in Österreich
sei "nicht sicherer" geworden, stellte Sichrovsky die Gegenfrage:
"Aus dem
'gefährlichen' Wien in den 'sicheren' Norden Israels?". In Österreich
gebe
es keine rassistischen Ausfälle und keinen offenen Antisemitismus.
Der
Staat unterstütze die Tätigkeit der jüdischen Gemeinschaft
und ihrer
Schulen "sehr reichlich". Der Staat helfe auch jüdischen
Intellektuellen,
sie bekämen wegen des Gefühls der historischen Schuld "in
der Regel"
bessere Posten als andere. "Es gibt keinen Staat auf der Welt, in
dem die
Juden in einer besseren Lage wären als in Österreich",
sagte Sichrovsky.
(APA und Der Standard
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