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Dieter
Chmelar über die Gründe, warum ihm sein
profil-Gespräch mit dem
Ex-Minister nicht Leid tut.
Am Tag seiner Ablöse stand in ORF ON die Zeile: "Krüger
wurde in künstlichen
Tiefschlag versetzt." Richtig wäre natürlich: "Krüger
wurde ein künstlicher
Tiefschlag versetzt." Und ich gelte plötzlich als K.-o.-Spezialist.
Als
Minister-Killer, als Chmelar, der Quäler, der mit einer ebenso ansatzlosen
wie niederträchtigen Linken (Achtung: Doppelsinn!) seinen langjährigen
Freund zur Strecke brachte. Tolle Story. Guter Stoff. Schlechte Nachred.
Ich
musste viele Sie-ger-Interviews geben. Die klügste Frage hieß:
"Könnten Sie
nicht auch mit anderen Ministern in die Schule gegangen sein?" Leider
nein.
Mit dem Westenthaler war ich nur einmal im selben Sonnenstudio, und er
hat
sich nichtein bisschen danebenbenommen. Obwohl wir dort zur Not die eine
oder andere Miss Vienna aufgetrieben hätten. Fest steht: Hätte
ich
tatsächlich das Know-how, Machtmenschen aller Gewichtsklassen mit
dem
diskreten Charme der Peripherie aus den Angeln zu heben, wäre das
ab sofort
mein Hauptberuf. Einer, der sich in jeder Hinsicht lohnen würde.
Ich könnte
Millionen verdienen und Millionen helfen. Fest steht aber auch: Hätte
ich
nur geahnt, was dieser Redewettbewerb zweier ewiger Buben auslöst
- ich
hätte es genauso getan. Allerdings, in heutiger Kenntnis der angegriffenen
seelischen Gesundheit Krügers, unter vier Augen. Was ist denn wirklich
passiert an diesem Nachmittag im Ministerium? Ein glatter Justizirrtum.
Meinerseits. Ich wollte meinen Freund vorsätzlich, lustvoll und freudig
erregt provozieren. Ich wollte einem Hardliner an die Weichteile. Ich
wollte
einen, der plötzlich Law and Order vorgibt, an seine gesetzlosen
Jugendtage
erinnern.
Moral-Sex. Darob ringelte sich die österreichische Seele bis hinaus
ins
lachsfarbene Bildungsbürgertum. Dort entrüstete man sich rüde,
prüde und rau
- in einem Anfall von Moral-Sex - über den Gebrauch des ländlichen
Begriffs
"schnackseln" (obwohl ich "kopulieren" für viel
unanständiger, jedenfalls
für weit peinlicher halte). Echte Kabarettisten empfahlen Krüger
wenigstens
die Waldheim-Strategie "Ich bin ja nur mitgeritten". Über
die - beiderseits
eingestandene - erschwindelte Matura wurde freilich kein (Feuille-)Ton
verloren. Unsere fehlende Reife war offenbar kein großes Geheimnis.
Der
historischen Wahrheit zuliebe: Wir haben unsere Maturen weder erschwindelt
noch erschlichen oder gar gekauft, sie wurden uns lediglich geschenkt
bzw.
irrtümlich zuerkannt. Zurück ins Ministerium: Ich bat dort Michael
Krüger,
das Wort "Straflager" nie wieder mit den nationalsozialistischen
Vernichtungslagern zu verwechseln - und zwar nicht, weil es dann wieder
"dieses Theater" gibt in der Presse und im Ausland und überhaupt,
sondern
weil er es aus tiefstem Herzen bedauert und es schlicht und einfach nicht
(mehr) meint.
Ich bat Michael Krüger, nicht länger dem trügerischen Führer-Schein
zu
erliegen und dieses sein Über-Ich von der Armbanduhr bis zur Kopfstütze
im
"geilen Geschoss" äffisch zu kopieren, sondern zu sich
selbst
zurückzukehren. Operation gelungen, Patient im Tiefschlaf. Wenn er
wieder
aufwacht, wird er hoffentlich aufwachen. Ich werde mich um ihn kümmern.
Ich
bin nicht sein Killer, und ich bin nicht sein Retter. Ich bin sein Freund.
Und 28 Jahre schmeißt man nicht einfach weg. Schon gar nicht für
eine tolle
Story. Lieber Michael: Es tut mir nicht Leid, was ich getan habe. Wenn
du
deine Heimat jetzt noch immer in der Bärentaler Marionettenmanufaktur
wähnst, dann solltest du wenigstens nachlesen, was dir deine Bewegung
mit
ins Spital geschickt hat: "Ob Krüger zurücktritt",
hieß es da, "müssen die
Ärzte entscheiden." Und mit einem komplizenhaften Augenzwinkern
gegenüber
der Öffentlichkeit ließ man dich und deine "persönlichen
Probleme" fallen
wie ein Bonmot. "Hasta la vista, Minista!" Aber: Du darfst mir
jetzt nicht
in die Knie gehen, mein Lieber! Das tut schon dein Generalsekretär
alle paar
Wochen. Du musst bitte aufrecht und aufrichtig raus aus dieser Nummer.
Und
wenn geht: Bleib mein Freund!
(p-tv)
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